Versicherungsmakler Peter Kockel
 
 
Abzocke mit Privatpatienten?  
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PKV | 24.08.11
 

Abzocke mit Privatpatienten?

Einige Privatkliniken haben scheinbar ein ausgeklügeltes System entwickeln können, um mit Privatversicherten Kasse zu machen. Patienten sollten deshalb nicht voreilig einer stationären Sonderbehandlung zustimmen und notfalls mit dem Versicherer Rücksprache halten.



Es ist keine schöne Geschichte, von der das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe berichtet („Privat gegen privat“, Spiegel Nr. 34 vom 22.08.2011): Ein Mann war nach einem Verkehrsunfall in eine private Helios-Klinik eingeliefert worden. Drei Tage lag er im Koma, doch er erholte sich schnell und konnte nach wenigen Tagen das Hospital verlassen. Als er jedoch die Rechnung bei seiner Krankenversicherung einreichte, wollte diese nur einen Teilbetrag erstatten: rund 10.000 sollte der Mann selbst zahlen.

Ausgetüfteltes System zu Lasten von Privatpatienten?

Warum aber weigerte sich die Krankenversicherung, die komplette Rechnung zu erstatten? Nach Informationen des Spiegel haben die Helioskliniken, aber auch andere private Krankenhäuser ein ausgetüfteltes Geschäftsmodell etablieren können, um mit Privatpatienten zusätzlich Kasse zu machen. Eröffnen die Anbieter an einem neuen Standort ein öffentliches Krankenhaus, so gründen sie zugleich eine Privatklinik – in demselben Gebäude, mit demselben Personal und Service. Es existieren also zwei Kliniken unter einem Dach – eine für privat und eine für gesetzlich versicherte Patienten.

Da aber eine Privatklinik nicht an die strengen Abrechnungsvorschriften der öffentlichen Krankenhäuser gebunden ist, können hier höhere Tarife verlangt werden. Folglich stellt der Klinikbetreiber für einen Privatpatienten eine deutlich höhere Rechnung aus, selbst wenn er genau dieselbe Therapie wie ein gesetzlich Versicherter erhält.

Diese Mehrkosten wollte im konkreten Fall des Komapatienten die Versicherung nicht zahlen. Weil das Unfallopfer in der Privatklinik behandelt wurde, sollte die Behandlung 32.803,65 Euro kosten – in der öffentlichen Klinik hätte dieselbe Behandlung lediglich 21.879,77 Euro gekostet! Eine Differenz von fast 11.000 Euro für wenige Tage Krankenhausaufenthalt.

Dachverband der PKV verklagt Helios-Kliniken

Die privaten Versicherungen halten das Vorgehen der Helioskliniken für Abzocke. Deshalb versuchen sie, rechtlich gegen derartige Praktiken vorzugehen – insgesamt sieben Klagen hat der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) gegen die Klinikbetreiber angestrengt. Privatpatienten sollen nur mehr Geld kosten, wenn sie auch tatsächlich besser betreut werden.

Unser Komapatient aus der Spiegel-Story musste übrigens nicht zahlen. Zwar argumentierte Helios, er müsse die 10.000 Euro aus eigener Tasche zahlen, weil er selbst seine Zustimmung zu der teureren Privatbehandlung gegeben habe. Doch diese Argumentation war selbstentlarvend, denn ein Patient im Koma kann bekanntlich keine Einwilligung zu einer Sonderbehandlung geben. Für Privatpatienten gilt jedoch: wenn es möglich ist, sollte vor Einwilligung in eine stationäre Sonderbehandlung vorher die Krankenversicherung informiert werden. Und nicht jede unverschämte Rechnung muss selbst gezahlt werden, wenn selbst die Versicherung Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Zusatzkosten hat.

 

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